~~ Lunatique ~~
  Startseite
    Leben
    Unleben
    Gedanken
    Texte
    Bilder
    Videos
  Über...
  Archiv
  Flashbacks
  Dunkle, kalte Nacht
  Der Geruch von Schnee
  Links
  Distanzierung
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 

http://myblog.de/lunatique

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Dunkle, kalte Nacht

Hana hatte Angst. Sie ging durch die dunklen Straßen ihrer Stadt. Den Weg kannte sie genau, denn es war ihr Heimweg. Von ihrem Freund nach Hause, in 20 kurzen Minuten. Und doch war es diesmal etwas anders. Normal sollte man nicht glauben, dass um drei Uhr nachts, in dieser ruhigen Wohngegend, in einer Kleinstadt, wie jede andere auch, irgendetwas unheimliches zu finden war. Ab und zu traf sie auf ein paar Jugendliche, wie sie selbst.
Aber diese Freitag Nacht war anders als sonst. Sie hatte ein Kribbeln im Kopf. Und ihr graute vor dem letzten Stück, dass sie durch den fast dunklen Park gehen musste.
Hana war eigentlich nicht so schnell verängstigt. Sie wusste selbst nicht, was mit ihr los war. Schließlich tat sie dieses dumme Gefühl ab und konzentrierte sich wieder auf ihren Weg. Ihr fiel ein, dass sie ihren Discman dabei hatte und kramte während des Laufens in ihrer Tasche.
Plötzlich glaubte sie etwas im rechten Augenwinkel gesehen zu haben und drehte sich ruckartig in diese Richtung. Ihr Discman, den sie mittlerweile erfolgreich aus ihrer Tasche gekramt hatte, fiel ihr aus der Hand.
„Mist!“, rief sie laut. Dabei erschrack sie vor ihrer eigenen Stimme. So laut hatte sie gar nicht sein wollen. Verärgert hob sie den Discman vom Boden auf. „Ich hoffe, das Scheißding ist noch ganz.“, dachte sie. Sie stöpselte sich die Kopfhörer in die Ohren und drückte auf PLAY. Sanft fing die Musik in ihrem Kopf an zu dudeln. Es war ihre Lieblingsband Ivy, die sie nur zu gerne hörte. „So lässt es sich doch aushalten!“, dachte sie zufrieden und setzte ihren Weg nach Hause fort.
Kaum aber war sie am Park angekommen, beschlich sie wieder dieses merkwürdige Gefühl. Hana sah sich vorsichtig um und riskierte sogar einen Blick hinter sich, aber natürlich war nichts zu sehen. „Alles Einbildung!“, dachte sie wieder und betrat den Park. Doch weil ihr durch die Dunkelheit noch mulmiger wurde, schaltete sie die Musik wieder aus und packte das Gerät zurück in die Tasche. Ihre Sinne waren komplett geschärft und sie beschleunigte ihren Schritt. Nach Hause waren es jetzt nicht mal mehr fünf Minuten. Sie bereute plötzlich, dass sie das Angebot von ihrem Freund, bei ihm zu schlafen, abgelehnt hatte. Nur zu gerne würde sie sich jetzt in seine schützenden Arme pressen. Aber das konnte sie nun auch nicht mehr ändern.
Es war furchtbar still im Park. Kein Geräusch drang an ihre Ohren, ausgenommen von dem Knirschen ihrer Schuhe auf dem Kies. Nun hatte sie schon fast das Ende erreicht und ihr Schritt wurde immer schneller. Sie joggte fast, und ihr Schnaufen dröhnte in ihrem Kopf. Sie wollte sich gerade selbst klar machen, wie absurd diese Situation war, da hörte sie hinter sich ein merkwürdiges Knacken. Wie von einer Hummel gestochen, rannte sie los. Sie wusste, wenn sie den Park hinter sich hatte, waren es keine hundert Meter mehr bis zu ihrer Haustür.
Hana rannte wie von Sinnen. Ihre Tasche schlug hart gegen ihre Hüfte, doch das nahm sie in ihrer Angst gar nicht wahr. Sie bog rechts aus dem Park und direkt über die Straße auf ihr Haus zu. Sie schaute nicht mehr links und auch nicht rechts, denn sie hatte nur noch ein Ziel. Sie glaubte ein Zischen dicht hinter sich zu hören, doch das trieb sie nur noch mehr an.
Als sie die Haustür erreicht hatte, kramte sie hastig in ihrer Tasche und suchte verzweifelt den Schlüsselbund. Endlich bekammen ihre Finger ihn zu fassen und sie schloss geschwind die Tür auf. Sie wagte gar nicht, hinter sich zu schauen.
Als die Tür ins Schloß fiel wurde sie schlagartig ruhiger. Die Anspannung fiel wie Steine von ihr ab. Sie lehnte sich erschöpft gegen die Tür und merkte wie ihr rassanter Herzschlag sich allmählich beruhigte. Abwesend wischte sie sich den kalten Schweiß von der Stirn und betrachtete nachdenklich ihren Schlüsselbund.
„Wie hab ich es nur geschafft, so schnell die Tür aufzuschließen?“, fragte sie sich laut, und dann musste sie leise lachen.
Der ganze Schrecken war schon fast vergessen, als sie langsam die Treppen in den zweiten Stock hinauf schlich. Sie wollte niemanden im Haus wecken, vor allem ihre eigenen Eltern nicht. Sie hatten zwar nichts dagegen, wenn sie Abends länger bei ihrem Freund blieb, aber sie sollte eben beim Nachhausekommen nicht gleich alle aufwecken. Behutsam schloss sie die Wohnungstür auf, darauf bedacht, sowenig Geräusche wie möglich zu machen. Wenn sie wollte konnte sie das leiseste Mäuschen sein. Zielstrebig steuerte sie ihr Zimmer an. Als sie das Zimmer betrat, legte sie die Tasche neben der Tür ab. Dann fiel ihr Blick zum Fenster. Es stand sperrangelweit offen und die kalte Nachtluft erfüllte das Zimmer. „Warum muss meine Mum immer ausgerechnet in meinem Zimmer lüften?“, fragte sie sich noch, da plötzlich beschlich sie wieder dieses komische Gefühl, dass sie schon den ganzen Heimweg gehabt hatte. Ihre Nackenhaare stellten sich auf und sie bekamm eine Gänsehaut. Da war plötzlich ein Geräusch links neben dem Schrank und Hana wagte kaum sich zu bewegen. Sehr langsam wandte sie ihren Kopf in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Viel war nicht zu erkennen. Hana kniff die Augen zusammen und mit einem Mal erstarrte ihr ganzer Körper zu Stein. Was sie gesehen hatte war furchterregend und unheimlich zu gleich. Zwei katzenartige Augen starrten sie aus dem Schatten heraus an. Die Straßenlatternen erleuchteten das halbe Zimmer, aber ausgerechnet dieser Teil lag im Dunkeln. Noch immer in den Schatten starrend, direkt in diese grauenvollen Augen, versuchte sie einen Schritt rückwärts Richtung Zimmertür zu machen. Doch da hörte sie eine Stimme. „Pssschh, du willst doch niemanden wecken!“
Hana rührte sich nicht. Ihr Mund war so trocken, als hätten ihre Lippen noch nie einen Tropfen Wasser gespürt. Ihre Kehle schnürrte sich zusammen und jeder Muskel in ihrem Körper verkrampfte sich. Und dann schien es als bewegte sich der Schatten, doch ihr wurde sofort klar, dass was immer sich da versteckte, langsam auf sie zu kam. Es war zwecklos, sie konnte nicht davonlaufen. Was aus dem Schatten trat, war ein großer, dünner Mann. Er sah im Latternenschein ganz blass aus und seine Augen wirkten so noch unheimlicher. Es schien fast, als würde er sich in Zeitlupe langsam auf sie zu bewegen. Ein unheimliches Lächeln umspielte seinen breiten Mund. Dann sagte er etwas, dessen Bedeutung Hana nicht sofort klar werden wollte. „Es wird kaum weh tun!“, und mit diesen Worten stürmte er auf sie, packte sie und umklammerte ihren Körper. Er zerrte an ihr, und zerrte sie aus dem offenen Fenster. Er entführte sie hinaus in die dunkle, kalte Nacht.



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung