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Anfang 2005 habe ich eine Kurzgeschichte zum Thema Winter geschrieben. Ich fand sie gut, leider haben sie einige wohl nicht verstanden. Ich denke, man könnte sie sicher noch verbessern, aber ich mag sie eigentlich so wie sie ist. ... vielleicht schreibe ich irgendwann daran weiter. Aber nun, genug geschwaffelt. Ihr dürft euch gerne die Geschichte durchlesen. ^^


Der Geruch von Schnee

Sara öffnete die Augen. Alles war weiß und verschwommen. Ihr Kopf brummte. Sie versuchte sich zu erinnern, wo sie war. Nichts! Wo war sie? Langsam konnte sie den Raum, in dem sie sich befand erkennen. Sie lag auf einem Bett. Sie lag in einem Zimmer. In einem Zimmer das sie nicht kannte. Die Wände waren weiß gestrichen und von der Decke hing eine Lampe, die sie blendete. Sie versuchte mehr zu erkennen. Sie wollte den Kopf drehen, aber er schmerzte sehr. Sie hatte unsagbare Kopfschmerzen und das Licht brannte in ihren Augen. Warum hatte sie solche Kopfschmerzen? Was war geschehen? Sie wusste es nicht. Sie wusste nicht was passiert war, oder wo sie war. Sie wusste bloß, dass sie hier nicht sein sollte. Langsam löste sich das lähmende Gefühl aus ihren Gliedern. Sie versuchte sich aufzusetzen. Jetzt erst merkte sie, dass sie mit Armen und Beinen an das Bett geschnallt war. Was war das? Warum war sie hier festgebunden? Warum war sie überhaupt hier? Wieder versuchte sie sich zu erinnern. Aber es war, als wäre da nur ein großes, dunkles Nichts. Sie konnte sich einfach nicht erinnern. Oder wollte sie nicht? Nun versuchte sie den Kopf zu drehen. Sie wollte sich das Zimmer genauer ansehen. Ihr Kopf schmerzte aber sie bewegte ihn trotzdem. Nur schwer und vom Licht geblendet konnte sie die Ausmaße des Zimmers erkennen. Es war ein sehr kleiner Raum. Er war sehr klein, war weiß gestrichen, hatte kein Fenster und eine schwere Eisentür. Kein Fenster und eine schwere eiserne Tür? Das war nicht gut. Sie wusste, dass das nicht gut war. Langsam glaubte sie zu wissen, wo sie war. Sie musste in einem Krankenhaus sein. Nein, sie war in einer Anstalt. Sie war in so einer Anstalt, wo man Leute hinbrachte, die etwas schlimmes gemacht hatten. War es ein Gefängnis? Ja, es war ganz sicher ein Gefängnis. Warum war sie in einem Gefängnis? Wieder versuchte sie sich krampfhaft daran zu erinnern was passiert war. Es war schwer, weil sie so starke Kopfschmerzen hatte. Doch plötzlich war da etwas. Es war nur ein Bild. Ein Bild in ihren Gedanken. Ein Bild von einem Mädchen. Und es war schon wieder weg. Aber da war noch etwas gewesen. Ein bestimmter Geruch. Sie kannte diesen Geruch. Es war ein Geruch, den man noch von Kindertagen her kennt. Es war der Geruch von Schnee. Der Geruch von Schnee war ganz eigenartig. Er war rein und klar. Er weckte Gefühle. Gute Gefühle. Gefühle von Freude und Glück. Solche Freude und solch ein Glück, das nur Kinder empfinden können. Rein und klar und so echt wie der Geruch von Schnee. Doch jetzt war der Geruch wieder weg. Es war nichts mehr übrig. Nicht einmal das Bild von dem Mädchen. Doch plötzlich war das auch ganz unwichtig. Den plötzlich überkam Sara ein merkwürdiges, mulmiges Gefühl. Ein Gefühl wie Angst, aber nicht ganz so deutlich. Es war eher das Gefühl einer Vorahnung. Als ob man wüsste, dass etwas schlechtes passieren würde. Urplötzlich wurde die schwere Eisentür aufgerissen. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass ihr die ganze Zeit wie verrückt die Ohren gedröhnt hatten. Wie ein ständiges lautes Hintergrundgeräusch. Als die Tür aufgerissen wurde und zwei Ärzte mit zwei Schwestern hereinkamen, da war es als ob ihr jemand auf die Ohren geschlagen hätte. Ihr Kopf schmerzte und alles drehte sich. Ihre Augen wurden immer noch von dem viel zu hellen Licht der Deckenlampe geblendet und ihre Ohren dröhnten von einem alles betäubenden Lärm aus lautem Hintergrundgeräusch und viel zu lautem Gerede der Ärzte und Schwestern. Sie wollte in einem einzigen Reflex sich die Ohren mit den Händen zuhalten. Doch das ging nicht, weil diese noch immer ans Bett geschnallt waren. Alles drehte sich und plötzlich wurde ihr speiübel. Sie bekam noch mit, wie sie sich auf ihren Arm übergab und dann tauchte sie in ein alles einhüllendes, weiches, warmes Schwarz.

Als sie wieder erwachte ging es ihr besser. Sie hatte nur noch leichte Kopfschmerzen und auch ihre Ohren dröhnten nicht. Doch sie war immer noch in diesem weißen, hellen Zimmer. Das Licht blendete sie aber nicht, so wie zuvor. Und überhaupt, kam ihr jetzt alles nicht mehr so bedrückend vor. Als die lähmende Schwere des Schlafes aus ihren Gliedern verschwand versuchte sie abermals sich aufzusetzen und zu ihrem Erstaunen, war sie nicht mehr an das Bett gebunden. Sie konnte sich mit etwas Mühe aufsetzen und schaute sich im Zimmer um. Im Sitzen wirkte der Raum noch kleiner als sie vermutet hatte. Das Zimmer war ungefähr doppelt so breit wie das Bett und ungefähr einen Meter länger. Wieder fragte sie sich, wo sie war. Doch diesmal war diese Frage nicht so drängend, weil sie wusste, dass sie die Antwort schon bald erhalten würde. Sie setzte sich auf die Bettkante. Ihre Arme und Beine schmerzten, als ob sie, sie wochenlang nicht mehr benutzt hätte. Vielleicht waren es Wochen? Woher sollte sie das wissen? Sie wusste auch nicht wie viel Zeit zwischen dem letzten Mal wo sie wach war und jetzt vergangen war. Stunden oder Tage? Vielleicht waren es auch Wochen. Sie sah an sich herunter und bemerkte, dass sie ein Krankenhaushemd anhatte. Außerdem hatte sie sich selbst beschmutzt. Der Gestank lähmte augenblicklich ihre Sinne. Ihr wurde schlecht und sie übergab sich auf den Fußboden vor ihr. Während sie sich übergab kam ihr wieder das Bild von dem Mädchen in den Sinn. Das Mädchen, das vielleicht zwölf Jahre alt war. Mit diesen weißblonden, wehenden Haaren und den eisblauen Augen. Und der Geruch von Schnee schien dieses Mädchen ganz wie selbstverständlich zu umgeben. Als ob das Mädchen und der Schnee zusammen Eins wären. Und jetzt erinnerte sie sich auch an noch mehr. Der Name des Mädchens war Anna. Anna war ihre Schwester. Ja genau, sie war ihre Schwester. Auf einmal wurde ihr wieder schlecht. Da war noch etwas woran sie sich jetzt erinnerte. Etwas woran sie sich aber nicht erinnern wollte. Was war da gewesen? Was war mit Anna passiert? Warum war sie nicht hier? Warum waren Anna und sie nicht zusammen, so wie es hätte sein sollen? Warum war sie hier? Hier in diesem Zimmer! Sie schob diese Gedanken bei Seite. Sie wollte sich nicht daran erinnern. Nein! Sie wollte sich an den Schnee erinnern. Und an Anna. Und daran, wie sie und Anna im Schnee gespielt hatten.

Genau in diesem Augenblick wurde die schwere Eisentür geöffnet. Mit einem lauten „Plong“ ging sie auf. Ein Arzt und eine Schwester kamen herein. Zuerst der Arzt und dann die Schwester. Und Sara meinte draußen im Gang einen Pfleger neben der Tür stehen zu sehen.
- „Ah, Sie sind schon auf? Wie geht es Ihnen?“, fragte sie der Arzt.
- „Ich? Wo bin ich hier? Wer sind sie?“. Plötzlich schossen ihr tausende Fragen in den Kopf. Sie hob wie im Reflex die Arme zum Kopf als wollte sie die Fragen darin gefangen halten.
- „Beruhigen Sie sich! Ich bin Dr. Schmitz. Ich bin Ihr behandelnder Arzt, und sie befinden sich hier in einer Nervenheilanstalt.“
Was? Eine Nervenheilanstalt? Ein Heim für Verrückte? Das hier war kein Gefängnis?
- „Aber ich bin nicht verrückt!“, verkündete sie verwirrt und trotzig, „Wo ist meine Schwester? Wo ist Anna?“.
Plötzlich schien Anna die Lösung für alles zu sein. Wenn Anna da wäre, so dachte sie, würde alles wieder gut werden.
- „Beruhigen Sie sich.“, sagte Dr. Schmitz in einem besänftigenden Tonfall. „Sie sind hier in guten Händen. Hier wird ihnen niemand wehtun.“
- „Wehtun?“ Und mit einem Mal, viel ihr alles wieder ein. All die Erinnerungen, die sie nicht hatte haben wollen, stürzten wie reisende Wasserfälle auf sie ein. Sie erinnerte sich, wie sie und Anna im Schnee gespielt hatten. Wie sie einen Schneemann zusammen gebaut hatten und diesen wieder zerstört hatten. Sie erinnerte sich, wie sie Schneeball gespielt hatten. Und plötzlich überfielen sie die Bilder, wie sie Anna mit blutüberströmtem Kopf, weinend in den Armen hielt. Wieder fragte sie sich, was passiert war. Sie sah den Doktor mit schreckensaufgerissenen Augen und kalkweißem Gesicht an und stammelte irgendwas Undeutliches vor sich hin.
- „Anna! Sie ist tot.“, schrie sie plötzlich. Sie brach in ein hysterisches Gekreische aus. Der Doktor versuchte sie zu besänftigen. Der Pfleger kam hereingestürmt und wollte sie packen, aber sie wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen.
- „Beruhigen Sie sich doch!“, rief Dr. Schmitz, „Ich bitte Sie. Beruhigen Sie sich!“
Sie atmete tief durch und sah den Doktor mit tränennassen Augen an.
- „Anna! Sie müssen aufhören sich diese Hirngespinste vorzulügen. Sie haben keine Schwester. Sie sind Anna!“



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